|
TV Spielfilm, Juni 2000
Sie ist die heißeste Newcomerin in Hollywood. Außerdem gilt Angelina Jolie als durchgeknallt. Für viele ist es amtlich: Diese Frau hat voll einen an der Klatsche, Brägenpanne, total! Angelina Jolie Voight, Tochter von Hollywood-Star Jon Voight ("Midnight-Cowboy"), war ein merkwürdiges Kind - mit elf wollte sie Bestattungsunternehmerin werden - und ist eine noch merkwürdigere Frau. Sie liebt Sexspiele mit scharfen Messern, fünf heftige Narben sollen ihren Körper zieren. Als sie vor vier Jahren Jonny Lee Miller ("Trainspotting") heiratete, schrieb sie sich seinen Namen auf ihr weißes Hochzeits-T-Shirt - mit ihrem eigenen Blut. Inzwischen sind die beiden geschieden und vor einigen Wochen hat die 25jährige Bisexuelle dem 20 Jahre älteren Schauspieler-Kollegen Billy Bob Thornton das Ja-Wort gegeben. Die beiden trafen sich beim Dreh zu "Turbulenzen" (ab 6. Juli im Kino). Die Ehe lenkt die US-Klatschpresse davon ab, über Angelinas vermeintlich inzestuöses Verhältnis zu ihrem Bruder zu spekulieren, den sie mit aller Penetranz öffentlich küsst und dem sie bei Preisverleihungen tränengerührt ihre Liebe gestanden hat. Was ist nur los mit den beiden, fragt sich Hollywood genervt und staunt doch über das schauspielerische Talent der Schönen. Der kommerzielle Durchbruch ist auch schon fest gebucht: 2001 soll sie als Lara Croft in der Videospielverfilmung Tomb Raider in die Kinos kommen. Unser L.A.-Korrespondent Scott Orlin traf Angelina Jolie zum Interview.
Was ist ihrer Meinung nach das Verrückteste, das sie je getan haben?
AJ: Keine Ahnung, aber ich habe irgendwie das Gefühl, ich sollte mal wieder was Abgedrehtes machen. Eigentlich wollte ich mir gestern Nacht die Haare färben, hab's aber sein lassen.
In der Presse wurde Ihr mitunter etwas exaltiertes Verhalten schon des öfteren kritisiert.
AJ: Ich treffe immer wieder Menschen, die mir auf den Kopf zusagen, dass sie mich für irre halten. Dass ich etwas Unheimliches an mir habe. Aber was soll's, solange ich niemandem Schaden zufüge, ist es doch ok, oder?
Sie haben mal gesagt, dass Sie sich immer komplett mit der Person, die sie spielen, identifizieren, dass sie Teil von Ihnen selbst wird...
AJ: Eigentlich ist es eher andersrum: Ich erfinde keine Menschen oder kreiere etwas komplett Künstliches, sondern spiele mich selbst - natürlich nur Bruchteile aus meinem eigenen Empfinden und Denken. Aber letztlich sind die Frauen, die ich spiele, doch immer ein Teil von mir.
In Ihrem neuen Film "Durchgeknallt" spielen Sie eine psychisch Kranke...
AJ: Sie ist zwar in dieser Anstalt eingesperrt, aber sie ist der freiste Mensch. Eigentlich ist sie sogar total normal, folgt immer ihrem Instinkt und sagt immer, was sie denkt und fühlt. Sie hat eben nicht diese Sperre, die ihr sagt, was moralisch oder rational ist. Es kümmert sie nicht, was andere von ihr sagen.
Genauso wie Sie?
AJ: Nach den Maßstäben der Personen in diesem Film sollte man mich auch einsperren. Somit wäre ich also auch krank.
Glauben Sie denn, der Film "Durchgeknallt" wird den Zuschauer animieren, sich mit dem Schicksal psychisch Kranker eingehender zu beschäftigen?
AJ: Nein, ich fürchte, er geht dafür nicht weit genug. Er beschreibt die Situation aus der Sicht von jemanden, der nicht in der Anstalt ist. Eigentlich sagt er, wenn jemand nicht krank sein will, dann wird er eben normal. Einfach so. Man sollte nicht glauben, dass psychisch Kranke eine Wahl haben. Sie verhalten sich so, wie sie meinen, dass es richtig ist. Und wir sollten uns nicht anmaßen, dies zu bewerten oder ihnen einen Stempel "Vorsicht, Irre!" geben.
War die Szene, in der ihre Filmpartnerin Winona Ryder Sie küsst, abgesprochen, oder wurden Sie überrascht?
AJ: Winona war sehr süß, aber das war ja gar kein richtiger Kuss... In dem Moment war ich so mit den Nerven fertig, also mein Filmcharakter war so seltsam drauf, dass ich gar nicht wusste, wer mich gerade küsst.
Es gab Gerüchte, dass Sie sich mit Winona Ryder gestritten hätten.
AJ: Es gab keine Probleme. Ich weiß nicht, ob sie ein Problem mit mir hatte, ich hatte jedenfalls keins mit ihr. Wir sind allerdings auch nicht die besten Freunde geworden.
Was würden Sie machen, wenn Sie nicht Schauspielerin wären?
AJ: Etwas, wo ich mit möglichst vielen verschiedenen Menschen in Kontakt komme: Mmh... Taxifahrer!
Scott Orlin
|