Die Sonderbotschafterin besuchte in den letzten Tagen Flüchtlingslager im Grenzgebiet im Osten des Tschad, wohin Flüchtlinge aus der Region Darfur im West-Sudan vor den Kämpfen geflohen waren. "UNHCR und seine Partnerorganisationen arbeiten im Osten des Tschad sehr eng zusammen, um die sudanesischen Flüchtlinge bestmöglich unterstützen zu können, und es scheint zu funktionieren," sagte Angelina Jolie. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bevor die Regenzeit einsetzt." "Wenn der Regen beginnt, besteht die Gefahr, dass die Notunterkünfte den Wassermassen nicht standhalten. Wenn die sanitären Einrichtungen zerstört werden, sind besonders Kinder anfällig für Krankheiten," warnt Angelina Jolie. Auch wird der Regen die Straßen unpassierbar machen, was den Transport von Hilfslieferungen, Medikamenten und Nahrungsmitteln nahezu unmöglich macht. Auf dem Weg zur Grenzstadt Tine am Freitag hatte Angelina Jolie die Gelegenheit, mit einigen sudanesischen Flüchtlingen in Notunterkünften zu sprechen. "Ich bin mit meinen Kindern aus unserem Dorf geflohen und wir waren mehrere Tage unterwegs, bevor wir in Tine ankamen," sagte eine Frau und erinnerte sich daran, wie Janjaweed-Milizen vor vier Monaten ihr Dorf stürmten, Leute erschossen, plünderten und die Häuser niederbrannten. In Tine kamen die meisten Flüchtlinge aus Darfur an. Angelina Jolie verteilte hochproteinhaltige Kekse an die Flüchtlinge für die vierstündige Fahrt auf UNHCR-Lastwagen in das Flüchtlingslager Mille, wohin in diesen Tagen etwa 200 Flüchtlinge gebracht werden sollen. UNHCR organisiert täglich Konvois von Tine in das Flüchtlingslager Mille. Mille ist eines der acht Lager, wo mehr als 81.000 Flüchtlinge Zuflucht vor den Überfällen der sudanesischen Miliz fanden und wo sie nun versorgt werden können. Im Flüchtlingslager Iridimi, zwei Stunden von der Grenze entfernt, begleitete Angelina Jolie Mitarbeiter des Gesundheits- und Vorsorgezentrums (Centre for Disease Control and Prevention), die die Kinder auf mögliche Unterernährung untersuchen. Die Wasserknappheit in dieser Region hat UNHCR und seinen Partnerorganisationen die Suche nach Lagerstandorten für Flüchtlinge erheblich erschwert. Zugleich besuchte Angelina Jolie ein Ernährungszentrum von Ärzte ohne Grenzen (Belgien) im Krankenhaus in Iriba. Über 120 unterernährte Kinder werden hier versorgt. Die Sonderbotschafterin verteilte Nahrungsmittel an 700 Flüchtlinge, die in den nächsten Tagen in das Lager Mille gebracht werden. Abschließend besuchte Angelina Jolie das Lager Touloum, 17 Kilometer von Iriba entfernt, wo derzeit 17.000 Flüchtlinge untergebracht sind. Sie bat erneut dringend um weitere Unterstützung und Spenden für UNHCR und seine Partnerorganisationen, damit den sudanesischen Flüchtlingen im Tschad weiterhin geholfen werden kann. Nach Schätzungen gibt es derzeit 158.000 sudanesische Flüchtlinge im Osten des Tschad. Von ihnen konnten bislang 90.000 Flüchtlinge in den acht Lagern untergebracht werden. Gesucht wird ein Standort für ein weiteres Lager. In der Zwischenzeit wurden durch die UNHCR-Luftbrücke weitere Hilfsgüter eingeflogen. Von Tansania aus sollen morgen 84.000 Decken, 8.000 Kochsets, 16.000 Wasserkanister, Plastikplanen und Hygieneartikel im Tschad eintreffen. Aus Pakistan werden derzeit 7.000 Zelte gebracht.
Iriba, Tschad, 7. Juni 2004 (UNHCR) " UNHCR-Sonderbotschafterin Angelina Jolie bittet dringend um Unterstützung der sudanesischen Flüchtlinge im Tschad.
Im Dorf Iridimi zeigte ihr das Team der Norwegischen Kirchenhilfe (Norwegian Church Aid) ihr neues Projekt einer Wasserbohrung. Das Wasser wird in Tanks gefüllt und vom Dorf in das Lager gebracht. Derzeit erhalten Flüchtlinge im Lager Iridimi nur 6 bis 7 Liter Wasser. 15 Liter werden eigentlich benötigt. Mit dem neuen Brunnen könnte es gelingen, das erforderliche Minimum an Wasser zu sichern.
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