GENF, 13. September (UNHCR) - Die Schauspielerin und UNHCR-Sonderbotschafterin Angelina Jolie hat heute 100.000 US-Dollar für dringend benötigte Nahrungsmittel und Hilfsgüter gespendet. Sie sollen an Flüchtlinge aus Westsahara verteilt werden, die seit fast 30 Jahren in Flüchtlingslagern in der Wüste ausharren und nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Rund 155.000 Westsahara-Flüchtlinge sind fast vollständig auf humanitäre Hilfe angewiesen, um überleben zu können. Die Flüchtlinge, deren Nahrungsrationen drastisch reduziert wurden, leben in abgelegenen Lagern in Algerien, etwa 2000 Kilometer südlich der Mittelmeerküste. Jolie war die erste Spenderin, die auf einen gemeinsamen Aufruf von UNHCR und dem Welternährungsprogramm (WFP) reagierte, der Ende August veröffentlicht worden war, um Nahrung und Hilfe für diese beinahe vergessenen und zunehmend verzweifelten Flüchtlinge finanzieren zu können. "Ich war tief bewegt, als ich von der schrecklichen Situation der Flüchtlinge erfahren habe. Ich hoffe, dass ich andere Menschen ermutigen kann, sich mit der Krise der Westsahara-Flüchtlinge zu beschäftigen und ihnen zu helfen", sagte Jolie in London. Der Mangel an Nahrungsmitteln und an Hilfsgeldern kann schwere Konsequenzen für Gesundheit und Wohlergehen der Westsahara-Flüchtlinge nach sich ziehen. Das gilt besonders für die Schwächsten unter ihnen: Kinder unter fünf Jahren, schwangere Frauen und stillende Mütter. "Die Westsahara-Flüchtlinge haben mit großen Problemen zu kämpfen", sagt Radhouane Nouicer von UNHCR, der die Hilfsprogramme in Nordafrika und im Nahen Osten leitet. "35 Prozent der Kinder sind chronisch mangelernährt und 13 Prozent leiden unter akuter Unterernährung." Wenn bis Oktober keine weiteren Gelder eintreffen, können die Flüchtlinge nur elf Prozent ihres täglichen Nahrungsbedarfs erhalten. Jeder Flüchtling würde dann nur 231 Kilokalorien am Tag bekommen. Die UN-Standardration, die u.a. Mehl, Bohnen und Pflanzenöl enthält, hat dagegen 2.100 Kalorien pro Tag. Das Welternährungsprogramm benötigt 8.336 Tonnen Nahrungsmittel - 80 Prozent davon Getreide - im Gegenwert von 3,7 Millionen US-Dollar, um die Flüchtlinge bis Januar 2003 versorgen zu können. UNHCR hat ebenfalls große Probleme, sein Hilfsprogramm für Westsahara-Flüchtlinge zu finanzieren. Bisher sind von 4,6 Millionen US-Dollar, die in der Region benötigt werden, erst 1,5 Millionen Dollar eingegangen. Die Flüchtlinge flohen 1975 aus Westsahara, nachdem Marokko die an Bodenschätzen reiche Wüstenregion annektierte. Ein 15 Jahre dauernder Krieg zwischen marokkanischen Truppen und Rebellen der "Frente Polisario" folgte. Die Vereinten Nationen konnten 1991 einen Waffenstillstand erreichen, aber über die politische Zukunft des Landes konnte bisher keine Einigung erzielt werden.
| < Zurück | Weiter > |
|---|


